Fragen & Antworten

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Restorative Justice

Was ist Restorative Justice?

(TODO: Kurze Einführung fehlt hier noch.)

Mehr zu Restorative Justice im deutschsprachigen Artikel von Friedrich Schwenger (2009) im PDF-Format mit freundlicher Genehmigung durch den Autor.

Was unterscheidet Restorative Justice von herkömmlicher Justiz?

 Herkömmliche JustizRestorative Justice
Frage:Wer wird wie bestraft?Was brauchen die Beteiligten, um gut weiterleben zu können?

Welche Nachteile der herkömmlichen Justiz versucht Restorative Justice zu adressieren?

  • Bestrafung ist wenig effizient. Forschung zeigt, dass Strafe ein wenig effizientes Mittel ist, um Rückfälligkeit von Straftätern zu verringern.
  • Konflikte werden kaum ausgetragen. Es entsteht wenig Verständnis, um ähnliche Konflikte in Zukunft zu vermeiden.
  • Gefängnisse kosten sehr viel, sowohl psychisch (Belastung, negative Entwicklung) wie materiell (Geld).
  • Die Unterscheidung in Opfer versus Täter ist in vielen Fällen nicht sinnvoll. Bei Konflikten, die sich im Zusammenspiel zweier Parteien entwickelt haben (z. B. Provokation und gewalttätige Reaktion), kann eine solche Einteilung dazu beitragen, dass sich "Täter" ungerecht behandelt sehen und Vergeltung wahrscheinlicher wird.
  • Die Persönlichkeit des Täters wird im Vergleich zu situativen und sozialen Faktoren des Konflikts sehr stark betont.

Was sagen Wissenschaft und Politik zu Restorative Justice?

Antworten auf diese Fragen könnten vermutlich ganze Regale füllen. Wie praktisch jedes Thema wird auch Restorative Justice kontrovers diskutiert. Wir meinen, guten Grund zu haben, Restorative Justice zu praktizieren und zu empfehlen:

Wissenschaft: Der renommierte Kriminologe Prof. Lösel hat sich intensiv damit befasst, welche Praktiken der Behandlung von Straffälligen gute Ergebnisse erzielen, und dies in Meta-Analysen untersucht. Er nennt in seiner Übersicht "What works" ("Was funktioniert") unter anderem Restorative Justice, wobei die meisten Studien hierzu aus den USA und Kanada stammen. (Stand 2010)

Politik: In der Deklaration, die 2010 auf dem 12. UN-Kongress zur Kriminalitätsprävention und Kriminaljustiz formuliert wurde heißt es:

27. We support the principle that the deprivation of liberty of children should be used only as a measure of last resort and for the shortest appropriate period of time. We recommend the broader application, as appropriate, of alternatives to imprisonment, restorative justice and other relevant measures that foster the diversion of young offenders from the criminal justice system.

und

51. We stress the need to reinforce alternatives to imprisonment, which may include community service, restorative justice and electronic monitoring and support rehabilitation and reintegration programmes, including those to correct offending behaviour, and educational and vocational programmes for prisoners.

Was sind Restorative Circles?

Restorative Circles sind ein konkreter, zum Teil sehr strukturierter und zum Teil sehr flexibler Prozess des Restorative Justice.

Eine Einführung findet sich hier.

Was ist mit Opferschutz?

Grundsatz des Restorative Justice ist, dass die Bedürfnisse aller Beteiligten zählen. Da Bedürfnisse des Opfers durch die Tat bereits verletzt wurden, ist eine Unterstützung des Opfers besonder wichtig, damit die Person ihre Bedürfnisse erkennen und ausdrücken kann. Insbesondere gilt: kein Beteiligter wird gezwungen oder unter Druck gesetzt, an einer Maßnahme des Restorative Justice mitzuwirken, wenn er das nicht möchte.

Gleichzeitig wird versucht, die Unterscheidung in Opfer versus Täter nicht zu wesentlich zu machen, insbesondere wenn der "Täter" sich selbst nicht als solchen erlebt. Dies dient nicht der Rechtfertigung der Tat, sondern dazu, dass sich die Beteiligten als Menschen begegnen können und eine Lösung finden, mit der alle leben können. Denn: nur solche Vereinbarungen werden von allen nachhaltig umgesetzt.

Forschungsergebnisse zeigen, dass Opfer mit den Ergebnissen von Restorative Justice eher zufrieden sind als mit herkömmlichen Strafverfahren. (TODO: Quellenangabe!)

Wollt Ihr Kriminelle einfach draußen rumlaufen lassen?

TODO

Ist Restorative Justice nicht letztlich "Kuschelvollzug"?

TODO

Ist das nicht alles Utopie? Man kann doch nicht mit allen Kriminellen einfach darüber reden und dadurch deren Verhalten ändern!?

TODO

Gewaltfreie Kommunikation

«Worte sind Fenster. Oder sie sind Mauern.»
-- Ruth Bebermeyer

Was ist Gewaltfreie Kommunikation?

Die Gewaltfreie Kommunikation wurde in den 70-ger Jahren von Marshall Rosenberg, einem international anerkannten Konfliktmediator, entwickelt.

Die Gewaltfreie Kommunikation zeigt uns einen Weg, der die Wahl ermöglicht, ob wir uns mitteilen mit Worten, die trennen, vergleichen, urteilen, analysieren und verdammen - oder mit Worten, die verbinden, versöhnen, vorschlagen und anregen. Sie unterstützt uns klar zu werden, über das, was wir fühlen und brauchen - und das auch auszusprechen, aus dem Vertrauen, das wir die Reaktion des Anderen annehmen können, wie auch immer sie ausfällt - ein Nein hören zu können, in dem Bewusstsein, das hinter jedem Nein ein unerfülltes Bedürfnis steht, und es letztlich dazu motiviert eine Lösung zu finden, bei der die Bedürfnisse aller berücksichtigt werden.

Der Unterschied der GFK (Gewaltfreie Kommunikation) zu der uns gewohnten Sprache ist, dass wir vermeiden über den Anderen zu reden (z.B: was eine Person "falsch" gemacht hat, oder wie eine Person ist..), sondern darüber, wie es uns mit dem, was wir erleben, geht - was wir fühlen und was wir brauchen.

die 4 Schritte der GFK

  1. Situation/Auslöser/Beobachtung (unterscheiden zwischen Beobachtung und Bewertung)
  2. Gefühl (unterscheiden zwischen Gefühl und Gedanke)
  3. Bedürfnis (unterscheiden zwischen Wunsch und Bedürfnis)
  4. Bitte (unterscheiden zwischen Bitte und Forderung) positiv, konkret, machbar, im hier und jetzt

Diese Schritte unterstützen uns darin, in Kontakt zu kommen. Der Verzicht auf Bewertung und Interpretation unterstützt uns darin, dass wir Klarheit über uns selbst erlangen - und Situationen ganz "neu" betrachten können. Und die Chance, dass unser Gegenüber uns wirklich zuhört, wächst, da wir von uns selber sprechen. Damit steigt auch die Chance, dass wir das, was wir brauchen, auch bekommen.

4 Schritte mal drei

Dieses 4 Schritte Modell können wir in drei Richtungen nutzen.

    Selbsteinfühlung: 

Hier nutzen wir die Schritte, um Klarheit und Verbindung zu uns selber zu erlangen. Klarheit über das, was wir brauchen, ist ein Geschenk an uns selbst und an andere.

    Ehrlicher Selbstausdruck: 

vom:"Ich fühle mich, weil du....(Schuldzuweisung, Vorwürfe und Kritik)"
zum:"ich fühle mich, weil ich...brauche"

..als Beispiel: P. bekommt bei einem Telefonat ihres Freundes mit B. mit, dass er zusagt, gemeinsam mit ihm in den Sommerurlaub fahren.

  1. Situation, Beobachtung:

P:" Wenn ich höre, dass du deinem Freund zusagst, dass wir mit ihm in Urlaub fahren..."

  1. Gefühl:

P:" dann fühle ich mich frustriert und traurig..."

  1. Bedürfnis:

P:" weil ich mit meinen Vorstellungen gehört werden möchte - und an Entscheidungen, die uns beide betreffen, beteiligt sein möchte."

  1. Bitte:

P:" Setzt du dich jetzt mit mir zusammen, um über unsere Vorstellungen von einem Sommerurlaub zu reden?"

    Empathisch aufnehmen, wie es dem anderen geht: 

Die Schritte werden genutzt, um mich in mein Gegenüber einzufühlen.

  1. Beobachtung: Wenn du siehst/ hörst/ erlebst, dass......
  2. Gefühl: Fühlst du dich dann.../ bist du dann...(wie könnte sich die Person fühlen?)
  3. Bedürfnis: weil du das Bedürfnis nach...hast/ weil du...bräuchtest...(was könnte sie brauchen?)
  4. Bitte: Und möchtest du jetzt gerne...hättest du jetzt gerne, dass...(um was könnte sie bitten?)

Das Hauptanliegen der Gewaltfreien Kommunikation ist das Schaffen von Verbindung - zu uns selbst und zu anderen -

Dahinter stehen die Annahmen, dass..

  • es in der Natur des Menschen liegt, aus Freude heraus zu geben
  • alle Menschen die gleichen Bedürfnisse haben, nur unterschiedliche Strategien, diese zu erfüllen
  • all unsere Handlungen ein bewusster oder unbewusster Ausdruck unserer Bedürfnisse sind
  • je mehr wir uns über das, was wir fühlen und brauchen bewusst werden - und wir dies klar kommunizieren können, die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Bedürfnisse erfüllt werden, wächst
  • je erfüllter wir selber sind, unsere Bereitschaft, dem Leben zu "dienen" und das Leben anderer zu bereichern, wächst
  • jedes Bedürfnis dem Leben dient

Ziele

  • uns selbst und andere bewußter wahrzunehmen
  • befriediegende Beziehungen aufbauen und erhalten
  • wertschätzender Umgang miteinander
  • schmerzliche Kommunikation und Konflikte verändern
  • mehr Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten
  • Urteile und Kritik in Bedürfnisse übersetzen
  • vom "nett" sein zum "echt" sein

«Urteile über andere sind entfremdete Äußerungen unserer eigenen unerfüllten Bedürfnisse.»
-- Marshall B. Rosenberg

Was sind Bedürfnisse?

In der GFK sind Bedürfnisse definiert als das, was alle Menschen auf diesem Planeten brauchen. Bedürfnisse sind also universell; sie verbindet die Menschen. Außerdem sind sie die Wirkkraft hinter allen Handlungen („Jeder Mensch tut in jedem Moment das Beste, das er kann, um seine Bedürfnisse zu erfüllen.”).

Welche Bedürfnisse gibt es?

Hier ist eine Liste mit Beispielen für Dinge, von denen wir annehmen, dass jeder Mensch auf diesem Planeten sie braucht. Sie ist nicht unbedingt vollständig. Auch könnte man andere Wörter verwenden, um Bedürfnisse zu beschreiben.

«Wenn wir unsere Bedürfnisse aussprechen, steigt die Chance dass sie erfüllt werden.»
-- Marshall B. Rosenberg

  • Wichtiges für den Körper
    • Nahrung, Wasser, Luft
    • Unterkunft, Schutz
    • Sicherheit
    • Bewegung
    • Ruhe
    • Körperliche Nähe
    • Sexualität
  • Kontakt mit anderen
    • Zugehörigkeit, Gemeinschaft, Nähe
    • Verständnis, mit eigenen Bedürfnissen gesehen werden
    • Vertrauen
    • Wertschätzung, Respekt, Akzeptanz, Liebe
    • Gleichwertigkeit
    • Unterstützung
    • Ehrlichkeit
    • Geborgenheit
    • Sicherheit, Schutz (vor psychischer Beeinträchtigung)
    • Beitragen zum Wohl anderer
  • Selbst entscheiden
    • Selbst entscheiden was ich tue (Autonomie)
    • Freiheit
    • Eigene Träume, Ziele und Werte haben
  • Feiern, Spiel, Würdigung
    • Lachen, Spaß
    • Abenteuer, sich lebendig fühlen
    • Dankbarkeit ausdrücken
    • Trauern, Abschied nehmen
  • Sinn, Bedeutsamkeit
    • Entwicklung, Lernen, Heilung
    • Leichtigkeit
    • Effizienz, Wirksamkeit
    • Echtheit (sich nicht verstellen)
    • Bedeutsamkeit, Sinnhaftigkeit
    • Kreativität
    • Harmonie, Ordnung, Schönheit
    • Frieden
    • Sich selbst akzeptieren und wertschätzen

Wie kann Gewaltfreie Kommunikation zur "Resozialisierung" von Straftätern beitragen?

In GFK-Trainings lernen Menschen u.a., Verantwortung für ihre eigenen Gefühle zu übernehmen. Dies geschieht durch Übersetzung von "Wolfssprache" ("gewalthaltige" Sprache) in "Giraffensprache" ("gewaltfreie" Sprache). Ein Beispiel: Der Gedanke "Er ist ein Arschloch und verdient einen in seine verdammte Fresse." könnte übersetzt werden in "Oh mann, wenn er sich breitbeinig vor mich stellt (Beobachtung), dann ärgere ich mich (Gefühl) weil ich Respekt brauche (Bedürfnis)." Die Haltung, dass meine Gefühle etwas über meine eigenen Bedürfnisse aussagen (statt über die Falschheit anderer) fördert gewaltfreie Strategien der Bedürfniserfüllung.

Anschaulich wird dies in einem englischsprachigen Artikel von Patricia Dannahy und Josephine Mchale, der auch im PDF-Format verfügbar ist.

Ebenfalls anschaulich und englischsprachig sind die Rückmeldungen von Inhaftierten und Gefängnispersonal, die mit dem Freedom-Project in Kontakt kamen.

Siehe auch die Rückmeldungen von Teilnehmern des Projekts "Neue Wege gehen".

Zuletzt geändert am 21.06.2011 20:22 Uhr